Cornice
126000970
Peter Doig
By a River, 2004.
Olio su tela
Stima: € 1,500,000 / $ 1,740,000
Le informationi sulla commissione, le tasse e il diritto di seguito saranno disponibili quattro settimane prima dell´asta.
126000970
Peter Doig
By a River, 2004.
Olio su tela
Stima: € 1,500,000 / $ 1,740,000
Le informationi sulla commissione, le tasse e il diritto di seguito saranno disponibili quattro settimane prima dell´asta.
Peter Doig
1959
By a River. 2004.
Öl auf Leinwand.
Auf dem Keilrahmen mit der Werknummer "PD/M 71" bezeichnet. 200 x 186 cm (78,7 x 73,2 in). [JS].
• MEISTERWERK Peter Doig, internationale Super-Star der zeitgenössischen Figuration.
• MONUMENTAL Charakteristische Motivik des einsamen Menschen im großen Format.
• IKONISCH Der einsame Denker als Sinnbild intellektueller Schaffenskraft.
• RARITÄT Erstes großformatiges Doig-Gemälde auf dem deutschen Auktionsmarkt.
• MUSEAL aus der gleichen Werkphase wie Doigs ikonisches Gemälde "100 Years Ago (Carrera)" (Centre Pompidou, Paris).
• PROVENIENZ seit Entstehung Teil einer großen deutschen Privatsammlung mit wichtigen internationalen Contemporary-Positionen.
PROVENIENZ: Contemporary Fine Arts, Berlin (direkt vom Künstler, auf dem Keilrahmen mit dem Etikett).
Privatsammlung Deutschland (2004 vom Vorgenannten erworben).
AUSSTELLUNG: Peter Doig - Metropolitain, Pinakothek der Moderne, München und Kestnergesellschaft Hannover, Mai - September 2004, Kat.-Nr. 31, o. S. (m. Abb., auf dem Keilrahmen mit dem Etikett der Kestnergesellschaft).
54th Carnegie International, Carnegie Museum of Art, Pittsburgh, Oktober 2004 - März 2005, S. 228 (im Text).
Essential Painting, The National Museum of Art, Osaka, Oktober - Dezember 2006, S. 55 (m. Abb., auf dem Keilrahmen mit dem Etikett).
Peter Doig. No Foreign Lands, Scottish National Gallery, Edingburgh, Montreal Museum of Fine Arts, Montreal, August 2013 - Juni 2014, S. 137 (m. Abb.).
LITERATUR: Adrian Searle, Kitty Scott and Caherine Grenier, Peter Doig, London 2007, S. 39 (m. Abb. S. 32).
Richard Shiff and Catherine Lampert, Peter Soig, New York 2011, S. 117 (m. Abb.).
„The figure with the beard who looks shaman or guru like was about the size of a match head in a post card amongst hundreds of others - although he was one of the most isolated of the figures he also seemed the most enigmatic.“
Peter Doig, Port of Spain, March 2004.
1959
By a River. 2004.
Öl auf Leinwand.
Auf dem Keilrahmen mit der Werknummer "PD/M 71" bezeichnet. 200 x 186 cm (78,7 x 73,2 in). [JS].
• MEISTERWERK Peter Doig, internationale Super-Star der zeitgenössischen Figuration.
• MONUMENTAL Charakteristische Motivik des einsamen Menschen im großen Format.
• IKONISCH Der einsame Denker als Sinnbild intellektueller Schaffenskraft.
• RARITÄT Erstes großformatiges Doig-Gemälde auf dem deutschen Auktionsmarkt.
• MUSEAL aus der gleichen Werkphase wie Doigs ikonisches Gemälde "100 Years Ago (Carrera)" (Centre Pompidou, Paris).
• PROVENIENZ seit Entstehung Teil einer großen deutschen Privatsammlung mit wichtigen internationalen Contemporary-Positionen.
PROVENIENZ: Contemporary Fine Arts, Berlin (direkt vom Künstler, auf dem Keilrahmen mit dem Etikett).
Privatsammlung Deutschland (2004 vom Vorgenannten erworben).
AUSSTELLUNG: Peter Doig - Metropolitain, Pinakothek der Moderne, München und Kestnergesellschaft Hannover, Mai - September 2004, Kat.-Nr. 31, o. S. (m. Abb., auf dem Keilrahmen mit dem Etikett der Kestnergesellschaft).
54th Carnegie International, Carnegie Museum of Art, Pittsburgh, Oktober 2004 - März 2005, S. 228 (im Text).
Essential Painting, The National Museum of Art, Osaka, Oktober - Dezember 2006, S. 55 (m. Abb., auf dem Keilrahmen mit dem Etikett).
Peter Doig. No Foreign Lands, Scottish National Gallery, Edingburgh, Montreal Museum of Fine Arts, Montreal, August 2013 - Juni 2014, S. 137 (m. Abb.).
LITERATUR: Adrian Searle, Kitty Scott and Caherine Grenier, Peter Doig, London 2007, S. 39 (m. Abb. S. 32).
Richard Shiff and Catherine Lampert, Peter Soig, New York 2011, S. 117 (m. Abb.).
„The figure with the beard who looks shaman or guru like was about the size of a match head in a post card amongst hundreds of others - although he was one of the most isolated of the figures he also seemed the most enigmatic.“
Peter Doig, Port of Spain, March 2004.
Peter Doig - 'pictor doctus': Das Malen der Einsamkeit als innere Notwendigkeit
Vielschichtig, rätselhaft und unverwechselbar ist der `Sound`, der von Peter Doigs großformatigem Gemälde „By a River“ (2004) ausgeht. Doigs Gemälde faszinieren immer wieder aufs neue durch ihren ganz eigenen Klang, sie umgibt eine ganz besondere, tiefe Aura. Stark verdichtet sind die Sinnenseindrücke, bildhaften Erlebnisse und Erinnerungen, die in ihnen zusammenfließen. Fast alle Arbeiten aus Doigs reifer Schaffensphase eint das Thema der Isolation, Einsamkeit oder Melancholie, jedoch keineswegs im negativen Sinne. Vielmehr als eine Art innere Notwendigkeit oder menschliches Grundbedürfnis, ohne das jede geistige und damit letztlich auch künstlerische Kreativität nicht möglich wäre. Peter Doig, der international gefeierte Star der figurativen Malerei, ist ein wirklicher Meister darin hoch verdichtete Stimmungen auf der Leinwand zu inszenieren. Grundlegend für diese Malerei ist ein reicher Fundus aus Erinnerungen, aus Gesehenem, Gelesenem und persönlich Erlebtem. Doig, der auch als der 'Pictor Doctus' der zeitgenössischen Kunst gilt, saugt scheinbar unbegrenzt bildhafte Erfahrungen in sich auf und speichert sie teils über Jahre und Jahrzehnte, bis sie sich dann in seinen besonders herausragenden Schöpfungen wie „By a River“ (2004) vielfach überlagert auf der Leinwand Bahn brechen. Wenn Doig malt verschmelzen bis ins Mittelalter zurückreichende Bilderlebnisse aus der Kunstgeschichte, Filmszenen, Fotos, Musikcover, Postkarten, Erinnerungen, Natureindrücken und Emotionen zu einem hoch verdichteten und vollkommen neuartigem Ganzen, in welchem all diese Elemente dennoch auf faszinierende Weise weiter gleichzeitig präsent bleiben. Auch „By a River“ (2004) zieht den Betrachter nicht nur aufgrund der enormen Größe sondern vor allem aufgrund seiner rätselhaften Motivik und seinem reichen Assoziationsspielraum, den Betrachter in seinen Bann, zwingt ihn in einen intensiven Dialog und persönlichen Austausch mit den eigenen, tief in der Erinnerung vergrabenen Lebensbildern.
„By a River“ (2004) – Der einsame Denker als Sinnbild künstlerischer Schaffenskraft?
Doigs künstlerisches Markenzeichen ist die einsame Landschaft und der einsame Mensch, der seit den 1990er Jahren zunächst noch durch seine oftmals verschneiten, detailliert und deckend gemalte Landschaften wandelt und damit kunsthistorische Bezüge von der Romantik, allem voran Caspar David Friedrich, bis hin zu Edward Munch oder Edward Hopper wach ruft. Auch Doig selbst lebt seit seiner frühen Kindheit eine Art modernes Normadentum: In Schottland geboren und auf Trinidad und in Kanada aufgewachsen, hat Doig bereits in seiner Jugend nicht nur zahlreiche Orts- sondern auch Kulturwechsel durchlebt und insgesamt neun Schulen besucht. Anschließend folgt ein Kunststudium in London. 1986 zieht er zurück nach Montreal, 1989 erneut nach London bevor er sich im Jahr 2000 schließlich mit seiner Familie dauerhaft auf Trinidad niederlässt. Auf der karibischen Insel entsteht vier Jahre nach diesem erneuten Ortswechsel das vorliegende Gemälde „By a River“ (2004). Auf Trinidad arbeitet Doig nicht nur in seinem Atelier im Caribbean Contemporary Arts Center in der Nähe der Hauptstadt Port of Spain sondern auch in seinem Haus in den Bergen, wo er extrem zurückgezogen und unmittelbar umgeben und inspiriert vom dichten Dschungel der karibischen Vegetation einem modernen Einsiedler gleich lebt und arbeitet. In Port of Spain entsteht 2004 die berühmte Grafikfolge „Black Palms“ in der erstmals das Motiv des einsam kauernden bärtigen Mannes in Erscheinung tritt, das Doig auf Basis einer Postkarte aus Indien entwickelt hat, welche der Künster vor vielen Jahren in einem Londoner Trödelladen gekauft hat. Doig selbst hat seine tiefe Faszination für diese rätselhafte, auf der Postkarte winzig kleine Figur mit den folgenden Worten beschrieben: „The figure with the beard who looks shaman or guru like was about the size of a match head in a post card amongst hundreds of others – although he was one of the most isolated of the figures he also seemed the most enigmatic. “ (Peter Doig, Port of Spain, March 2004). Noch im gleichen Jahr inspiriert ihn diese besondere Figur zu dem vorliegenden, großformatigen Gemälde „By a River“, in welchem Doig die geheimnisvoll in sich versunkene Gestalt in sanft dahin fließender Farbigkeit mit der sie umgebenden Natur und der mit Farbe durchtränkten Leinwand verschmolzen hat. Was aber ist es, dass Peter Doig so sehr an der intensiven Auseinandersetzung und Weiterentwicklung dieser Figur reizt? Ist es allein ihre Einsamkeit und Isolation oder die Klarheit und Deutlichkeit mit der sie – gerade mit Blick auf die europäische Kunstgeschichte - für intellektuelle Schaffenskraft und damit für all das steht, was unsere von der Renaissance bis heute reichende Vorstellung vom künstlerischen Genie ausmacht? Ausgehend von Albrecht Dürers berühmtem Kupferstich der „Melencolia I“ (1514) wurde das künstlerische Schaffen nicht mehr vorrangig als das Ergebnis eines handwerklichen Schaffensprozesses, sondern als die Essenz eines intensiven intellektuellen Schöpfungsaktes begriffen und die intensive geistige Schaffenskraft des Künstlers deshalb zunehmend mit dem kontemplativen Temperament des Melancholikers gleichgesetzt. "Der im Mittelalter mit viel Skepsis betrachtete Melancholiker avancierte zur Genieklasse, der anzugehören sich viele, unter ihnen Dürer, Mühe gaben. Melancholie und Genialität bedingten sich nun wechselseitig. Mit Recht sprechen Forscher wie Schuster von einem 'versteckten Selbstbildnis' [..]" (R. Schoch/M. Mende/A. Scherbaum, Albrecht Dürer. Das druckgraphische Werk, Bd. 1, München 2001, S. 183). Haben wir es also auch in Doigs rätselhafter Komposition „By a River“ Dürers „Melancholia I“ entsprechend mit einem versteckten Selbstbildnis oder einer sinnbildhaften Darstellung künstlerischer Genialität zu tun? Dies muss aufgrund der reichhaltigen Bildtradition des melancholisch in sich versunkenen Denkers als sehr wahrscheinlich gelten, die ihre tiefen Wurzel in der mittelalterlichen Darstellung des Erimiten hat und schließlich ausgehend von Dürers berühmter „Melencolia I“, über Salvatore Rosa, Auguste Rodin und Edward Munch bis ins 21. Jahrhundert reicht.
Sampling, Crossover, Fusion – Doigs Faszination für Musik und seine Meisterschaft der visuellen Überlagerung
Aber als wäre all das an optischen Verweisen noch nicht genug, tritt bei Peter Doig auch immer noch die Musik als weitere Inspirationsquelle hinzu. Auch Doigs heute ikonisches Gemälde„100 Years Ago (Carrera)“ (2001, Centre Pompidou, Paris), drei Jahre zuvor ebenfalls auf Trinidad entstanden, basiert ähnlich wie „By a River“ auf dem Prozess der motivischen Isolation. Doig arbeitet in diesem Fall nicht auf Basis einer Postkarte sondern eines Album-Covers. Aus dem berühmten Foto auf der Innenseite des posthum veröffentlichten Doppelalbums „Duane Allman. An Anthology“ (1972) übernimmt Doig lediglich die zentrale Figur des 1971 verunglückten Rock- und Blues-Gitarristen Duane Allman und damit nur eine der insgesamt sechs abgebildeten Figuren in seine Malerei. Das ziellos auf der Weite des Sees treibende Kanu bleibt ansonsten leer, im Hintergrund kein rettendes Ufer mehr, sondern eine Insel, die Assoziationen an Arnold Böcklins Gemälde der „Toteninsel“ herauf beschwört. Auch mit „100 Years Ago (Carrera)“ (2001, Centre Pompidou, Paris) ist Diog mit Hilfe der visuellen Überlagerung von Assoziationen eine qualitativ herausragende Komposition gelungen, ähnlich wie das vorliegende Gemälde von bedrückender Einsamkeit und moderner Melancholie durchdrungen. Das Titelcover des Albums „Duane Allman. An Anthology“ zeigt den legendären Gitarristen kontemplativ mit einer Angelrute an einem Ufer stehend und ein weiteres berühmtes Foto, das ebenfalls im Zuge dieser Fotostrecke entstanden ist und im Booklet des Albums veröffentlicht wurde, zeigt Allman gedankenverloren an einem Ufer sitzend. Auch diese Fotos hatte Peter Doig, der Musikenthusiast und begeisterte Plattensammler, im Entstehungsjahr von „By a River“ bereits in seinem gewaltigen Bildgedächtnis aufgenommen. Auch sie müssen deshalb ebenfalls für Doigs tiefe Faszination für das Motiv des in Kontemplation am Flussufer sitzenden, einsamen Mannes verantwortlich gewesen sein. Auch beim Malen von "By a River" wird Doig wie so oft Musik gehört haben, ob es vielleicht sogar das legendäre Album von Duane Allman war, muss offen bleiben.
Doigs grandiose Schöpfungen bespielen souverän den Grenzbereich zwischen Realität und Traum, die Zeit scheint still zu stehen. Gerade in der konsequenten Negation von Raum, Zeit und Handlung liegt das rätselhafte Faszinosum seiner Malerei. Tief von kontemplativer Stille durchdrungen erfüllen Doigs Gemälde den Raum mit ihrem ganz eigenen, magischen Klang. [JS].
Vielschichtig, rätselhaft und unverwechselbar ist der `Sound`, der von Peter Doigs großformatigem Gemälde „By a River“ (2004) ausgeht. Doigs Gemälde faszinieren immer wieder aufs neue durch ihren ganz eigenen Klang, sie umgibt eine ganz besondere, tiefe Aura. Stark verdichtet sind die Sinnenseindrücke, bildhaften Erlebnisse und Erinnerungen, die in ihnen zusammenfließen. Fast alle Arbeiten aus Doigs reifer Schaffensphase eint das Thema der Isolation, Einsamkeit oder Melancholie, jedoch keineswegs im negativen Sinne. Vielmehr als eine Art innere Notwendigkeit oder menschliches Grundbedürfnis, ohne das jede geistige und damit letztlich auch künstlerische Kreativität nicht möglich wäre. Peter Doig, der international gefeierte Star der figurativen Malerei, ist ein wirklicher Meister darin hoch verdichtete Stimmungen auf der Leinwand zu inszenieren. Grundlegend für diese Malerei ist ein reicher Fundus aus Erinnerungen, aus Gesehenem, Gelesenem und persönlich Erlebtem. Doig, der auch als der 'Pictor Doctus' der zeitgenössischen Kunst gilt, saugt scheinbar unbegrenzt bildhafte Erfahrungen in sich auf und speichert sie teils über Jahre und Jahrzehnte, bis sie sich dann in seinen besonders herausragenden Schöpfungen wie „By a River“ (2004) vielfach überlagert auf der Leinwand Bahn brechen. Wenn Doig malt verschmelzen bis ins Mittelalter zurückreichende Bilderlebnisse aus der Kunstgeschichte, Filmszenen, Fotos, Musikcover, Postkarten, Erinnerungen, Natureindrücken und Emotionen zu einem hoch verdichteten und vollkommen neuartigem Ganzen, in welchem all diese Elemente dennoch auf faszinierende Weise weiter gleichzeitig präsent bleiben. Auch „By a River“ (2004) zieht den Betrachter nicht nur aufgrund der enormen Größe sondern vor allem aufgrund seiner rätselhaften Motivik und seinem reichen Assoziationsspielraum, den Betrachter in seinen Bann, zwingt ihn in einen intensiven Dialog und persönlichen Austausch mit den eigenen, tief in der Erinnerung vergrabenen Lebensbildern.
„By a River“ (2004) – Der einsame Denker als Sinnbild künstlerischer Schaffenskraft?
Doigs künstlerisches Markenzeichen ist die einsame Landschaft und der einsame Mensch, der seit den 1990er Jahren zunächst noch durch seine oftmals verschneiten, detailliert und deckend gemalte Landschaften wandelt und damit kunsthistorische Bezüge von der Romantik, allem voran Caspar David Friedrich, bis hin zu Edward Munch oder Edward Hopper wach ruft. Auch Doig selbst lebt seit seiner frühen Kindheit eine Art modernes Normadentum: In Schottland geboren und auf Trinidad und in Kanada aufgewachsen, hat Doig bereits in seiner Jugend nicht nur zahlreiche Orts- sondern auch Kulturwechsel durchlebt und insgesamt neun Schulen besucht. Anschließend folgt ein Kunststudium in London. 1986 zieht er zurück nach Montreal, 1989 erneut nach London bevor er sich im Jahr 2000 schließlich mit seiner Familie dauerhaft auf Trinidad niederlässt. Auf der karibischen Insel entsteht vier Jahre nach diesem erneuten Ortswechsel das vorliegende Gemälde „By a River“ (2004). Auf Trinidad arbeitet Doig nicht nur in seinem Atelier im Caribbean Contemporary Arts Center in der Nähe der Hauptstadt Port of Spain sondern auch in seinem Haus in den Bergen, wo er extrem zurückgezogen und unmittelbar umgeben und inspiriert vom dichten Dschungel der karibischen Vegetation einem modernen Einsiedler gleich lebt und arbeitet. In Port of Spain entsteht 2004 die berühmte Grafikfolge „Black Palms“ in der erstmals das Motiv des einsam kauernden bärtigen Mannes in Erscheinung tritt, das Doig auf Basis einer Postkarte aus Indien entwickelt hat, welche der Künster vor vielen Jahren in einem Londoner Trödelladen gekauft hat. Doig selbst hat seine tiefe Faszination für diese rätselhafte, auf der Postkarte winzig kleine Figur mit den folgenden Worten beschrieben: „The figure with the beard who looks shaman or guru like was about the size of a match head in a post card amongst hundreds of others – although he was one of the most isolated of the figures he also seemed the most enigmatic. “ (Peter Doig, Port of Spain, March 2004). Noch im gleichen Jahr inspiriert ihn diese besondere Figur zu dem vorliegenden, großformatigen Gemälde „By a River“, in welchem Doig die geheimnisvoll in sich versunkene Gestalt in sanft dahin fließender Farbigkeit mit der sie umgebenden Natur und der mit Farbe durchtränkten Leinwand verschmolzen hat. Was aber ist es, dass Peter Doig so sehr an der intensiven Auseinandersetzung und Weiterentwicklung dieser Figur reizt? Ist es allein ihre Einsamkeit und Isolation oder die Klarheit und Deutlichkeit mit der sie – gerade mit Blick auf die europäische Kunstgeschichte - für intellektuelle Schaffenskraft und damit für all das steht, was unsere von der Renaissance bis heute reichende Vorstellung vom künstlerischen Genie ausmacht? Ausgehend von Albrecht Dürers berühmtem Kupferstich der „Melencolia I“ (1514) wurde das künstlerische Schaffen nicht mehr vorrangig als das Ergebnis eines handwerklichen Schaffensprozesses, sondern als die Essenz eines intensiven intellektuellen Schöpfungsaktes begriffen und die intensive geistige Schaffenskraft des Künstlers deshalb zunehmend mit dem kontemplativen Temperament des Melancholikers gleichgesetzt. "Der im Mittelalter mit viel Skepsis betrachtete Melancholiker avancierte zur Genieklasse, der anzugehören sich viele, unter ihnen Dürer, Mühe gaben. Melancholie und Genialität bedingten sich nun wechselseitig. Mit Recht sprechen Forscher wie Schuster von einem 'versteckten Selbstbildnis' [..]" (R. Schoch/M. Mende/A. Scherbaum, Albrecht Dürer. Das druckgraphische Werk, Bd. 1, München 2001, S. 183). Haben wir es also auch in Doigs rätselhafter Komposition „By a River“ Dürers „Melancholia I“ entsprechend mit einem versteckten Selbstbildnis oder einer sinnbildhaften Darstellung künstlerischer Genialität zu tun? Dies muss aufgrund der reichhaltigen Bildtradition des melancholisch in sich versunkenen Denkers als sehr wahrscheinlich gelten, die ihre tiefen Wurzel in der mittelalterlichen Darstellung des Erimiten hat und schließlich ausgehend von Dürers berühmter „Melencolia I“, über Salvatore Rosa, Auguste Rodin und Edward Munch bis ins 21. Jahrhundert reicht.
Sampling, Crossover, Fusion – Doigs Faszination für Musik und seine Meisterschaft der visuellen Überlagerung
Aber als wäre all das an optischen Verweisen noch nicht genug, tritt bei Peter Doig auch immer noch die Musik als weitere Inspirationsquelle hinzu. Auch Doigs heute ikonisches Gemälde„100 Years Ago (Carrera)“ (2001, Centre Pompidou, Paris), drei Jahre zuvor ebenfalls auf Trinidad entstanden, basiert ähnlich wie „By a River“ auf dem Prozess der motivischen Isolation. Doig arbeitet in diesem Fall nicht auf Basis einer Postkarte sondern eines Album-Covers. Aus dem berühmten Foto auf der Innenseite des posthum veröffentlichten Doppelalbums „Duane Allman. An Anthology“ (1972) übernimmt Doig lediglich die zentrale Figur des 1971 verunglückten Rock- und Blues-Gitarristen Duane Allman und damit nur eine der insgesamt sechs abgebildeten Figuren in seine Malerei. Das ziellos auf der Weite des Sees treibende Kanu bleibt ansonsten leer, im Hintergrund kein rettendes Ufer mehr, sondern eine Insel, die Assoziationen an Arnold Böcklins Gemälde der „Toteninsel“ herauf beschwört. Auch mit „100 Years Ago (Carrera)“ (2001, Centre Pompidou, Paris) ist Diog mit Hilfe der visuellen Überlagerung von Assoziationen eine qualitativ herausragende Komposition gelungen, ähnlich wie das vorliegende Gemälde von bedrückender Einsamkeit und moderner Melancholie durchdrungen. Das Titelcover des Albums „Duane Allman. An Anthology“ zeigt den legendären Gitarristen kontemplativ mit einer Angelrute an einem Ufer stehend und ein weiteres berühmtes Foto, das ebenfalls im Zuge dieser Fotostrecke entstanden ist und im Booklet des Albums veröffentlicht wurde, zeigt Allman gedankenverloren an einem Ufer sitzend. Auch diese Fotos hatte Peter Doig, der Musikenthusiast und begeisterte Plattensammler, im Entstehungsjahr von „By a River“ bereits in seinem gewaltigen Bildgedächtnis aufgenommen. Auch sie müssen deshalb ebenfalls für Doigs tiefe Faszination für das Motiv des in Kontemplation am Flussufer sitzenden, einsamen Mannes verantwortlich gewesen sein. Auch beim Malen von "By a River" wird Doig wie so oft Musik gehört haben, ob es vielleicht sogar das legendäre Album von Duane Allman war, muss offen bleiben.
Doigs grandiose Schöpfungen bespielen souverän den Grenzbereich zwischen Realität und Traum, die Zeit scheint still zu stehen. Gerade in der konsequenten Negation von Raum, Zeit und Handlung liegt das rätselhafte Faszinosum seiner Malerei. Tief von kontemplativer Stille durchdrungen erfüllen Doigs Gemälde den Raum mit ihrem ganz eigenen, magischen Klang. [JS].



